Von Sokrates zur Moderne: Die bewegte Geschichte des Wintergartens

Wintergärten sind Orte zum Träumen. Sie geben uns das Gefühl von Urlaub, Freiheit und ganzjährigem Sommer. Ein Wintergarten gehört zum Lifestyle, schafft Behaglichkeit und gibt uns die Möglichkeit, die Seele baumeln zu lassen. Kurz gesagt, er dient der Entspannung und verbessert unser Lebensgefühl.

Allerdings war dies nicht immer so, denn unser heutiger Wintergarten blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Seine Anfänge reichen bis in die Antike, denn bereits 400 v. Chr. wussten die Menschen um die wohltuende Wirkung der Sonne und nutzten ihre Energie, um ein optimales Wohnklima zu erreichen. Seinerzeit empfahl der griechische Philosoph Sokrates Häuser so zu bauen, dass die Innentemperatur im Sommer kühl und im Winter angenehm warm sei. Damalige Häuser wurden daher oft auf der Südseite höher gebaut als auf der Nordseite.

Den alten Römern dagegen ging es eher darum, optimale Aufzuchtbedingungen für ihre Pflanzen zu schaffen. Vor ca. 2000 Jahren bedienten sie sich der Kraft und Wärme der Sonne zur Pflanzenaufzucht und verwendeten in ihren Pflanzenhäusern lichtdurchlässige Glimmscheiben.

Sonnenenergie zur Pflanzenaufzucht

Der Trend, die Sonnenenergie zur Pflanzenzüchtung zu nutzen, setzte sich fort. Durch die Erschließung tropischer Gebiete zu Kolonialzeiten gelangte eine Vielzahl südlicher Pflanzen und Früchte nach Europa. Um diese auch im wesentlich kälteren Europa anbauen und überwintern zu können, baute man im 16. Jahrhundert die ersten Gewächshäuser aus Holz und Glas. Für eine optimale Aufzuchttemperatur beheizte man diese sogenannten Pomeranzenhäuser mit Öfen. Die Bezeichnung beruht auf den Vorläufern unserer heutigen Orangen, auch Pomeranzen genannt.

1688 gelang dem Holländer Lucas de Nehon das Gießen größerer Glastafeln – die Geburtsstunde der Glashäuser. Der Einfachheit halber grenzten diese direkt an ein Gesellschaftszimmer des Hauses und wurden zunehmend größer und großzügiger gestaltet: Plätze zum Verweilen entstanden.

Besonders im viktorianischen England, das daher auch als die Wiege des heutigen Wintergartens gilt, entwickelte sich in der Oberschicht ein regelrechter Trend zu luxuriösen Orangerien. Es galt als schick und prestigeträchtig, im kalten Nord- und Westeuropa eine Sammlung besonderer Pflanzen zu besitzen.

1851 setzten die britischen Botaniker und Landschaftsarchitekten John Claudius Loudon und Joseph Paxton durch den Bau des Kristallpalastes anlässlich der Eröffnung der Weltausstellung völlig neue Maßstäbe für die Glasarchitektur und damit auch für die Orangerien. Diese zeichneten sich von nun durch zierliche eiserne Rundbögen und dekorative Stilelemente aus, kombiniert mit Sperrholzbögen und Glas. Damalige Glashäuser wurden verstärkt zu einem Ort der Begegnung und schufen zusätzlichem Lebensraum. Dadurch entstand ein völlig neues Wohn- und Lebensgefühl.

Ab 1880 wurden Wintergärten auch in Deutschland populär, zunächst als Teil von Bürgerhäusern und Ferienpensionen. Bis 1930 war der Wintergarten allerdings nach wie vor nur für Wohlhabende erschwinglich.

Erst als Glas durch verbesserte Herstellungsverfahren bei der Flachglasproduktion deutlich günstiger wurde, ist der Wintergarten auch für die breite Masse erschwinglich und zum architektonischen Highlight eines jeden Hauses geworden.

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